Ein ruhiger Junge, Schüler und großer Bruder, der immer alles schön beobachtete - ohne großartig aufzufallen... - war ich das? Ja - man kann es immer noch nachlesen in meinen Kopfnoten. Mutti hat mir in den ersten Schuljahren geholfen, das unergründliche Lernen und Hausaufgaben machen zu erledigen. Mir fiel alles ziemlich leicht - warum auch immer.
Grüblerisch war ich schon damals als Kind - worüber ich allerdings so alles nachdachte, weiß ich heute nicht mehr. Einige Episoden fallen mir noch ein wie zum Beispiel, dass Helga W. beim Spielen auf dem Dachboden zwischen die Balken trat und auf einmal mitten auf dem Küchentisch in unserer Küche landete: sie war durch die dünne Decke gebrochen - muss ein lustiger Anblick gewesen sein. Oder dass ich bei meinem kleinen Bruder am Laufgitter stand und mich köstlich amüsierte, wie er drückend, rot werdend in seine Windel machte. Mein Vater fand das weniger amüsant und war der Meinung, ich hätte als großer Bruder doch wenigstens Bescheid sagen können (wieso eigentlich?). Mein Brüderchen rächte sich später: er kannte meine Träumereien und Unaufmerksamkeiten. So ließ er mich gerne mal beim sonntäglichen Elb-Spaziergang gegen einen Baum oder Lichtmasten laufen, indem er mich kurz mal einfach so beim Namen rief, ich mich umdrehte und: schon wars geschehen...
Oder: Fahrrad fahren übend in der großen Tordurchfahrt hörte ich meine Mutti laut aus unserer Wohnung schreien, lief schnurstracks nach oben und fand sie auf dem Küchentisch stehend vor: eine Maus hatte sich gezeigt und meine Mutti auf die sichere Küchentischebene verjagt. Ich musste erst alles vollständig auf Mausfreiheit überprüfen, bevor sie wieder ihren sicheren Zufluchtsort verließ.
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